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Ethik

Ethische Konflikte unter diakonischen Aspekten betrachten

– ein Impuls

Autor: Damian Ostermann

Aus: ETHIK KONKRET - bethel»wissen No. 01

„Das können wir doch nicht machen!“ Ab und an hören wir in unseren Arbeitsfeldern diesen oder einen ähnlichen Satz. Hier ist jemand anderer Meinung, hinterfragt, ob der eingeschlagene Weg ... der richtige ist. Da passt etwas nicht zusammen. Hier bringt jemand seine Überzeugungen in Abgleich zu seinem oder ihrem beruflichen Tun. – Da hat jemand einen ethischen Konflikt. Ein ethischer Konflikt liegt nicht nur dann vor, wenn es um das Lebensende und eventuell lebens- und leidensverlängernde Maßnahmen geht. Auch im Alltag nehmen wir Widerstreben wahr. Hier entdecken wir große und kleine Ungerechtigkeiten, erleben, dass der Rahmen zu eng ist. Der Rahmen, der uns gesetzt ist, und der Rahmen, den wir setzen. 

Wir hadern, wenn das, was von uns verlangt wird, in scheinbarem Widerspruch zu dem steht, was wir für richtig halten. Und da sagt jemand: „Das können wir doch nicht machen!“ Ein solches Aufmerken bewirkt, wenn es gehört wird, die Entschleunigung des Prozesses: Hier sind Austausch, Diskurs und Orientierung nötig. 

Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Konflikte viel tiefer im System ihren Ursprung haben. Und vielleicht müssen wir uns an ganz grundlegende Dinge heranwagen, wenn wir uns mit unseren ethischen Konfliktsituationen auseinandersetzen möchten. Sind nicht an vielen Stellen ethische Konfliktpotenziale tief in unseren Arbeitswirklichkeiten eingewoben? Wir erleben beispielsweise eine Veränderung unseres Alltagsvokabulars. Unser Handeln an dem Nächsten oder für die Nächste wird zur „Dienstleistung“, der Mensch selbst zum „Nutzer“ unseres Angebots. Jesus beschreibt nicht eine Dienstleistung, wenn er sagt: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Matthäus 7,12)

Jesus fordert die innere Begegnung mit dem Gegenüber und vertraut darauf, dass es gut ist, wenn Menschen einander zu Nächsten werden.

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Arbeitsverdichtung ... Was auch immer wir heute von anderen – von der Gesellschaft und von unseren Sozialsystemen – erwarten: Es spielt für unser Tun an vielen Stellen keine Rolle. Unsere berufliche Alltagswirklichkeit sieht anders aus: Da tun wir die Dinge, die die Nutzerinnen und Nutzer an Hilfe zulassen, die Dinge, die ein Kostenträger zu zahlen bereit ist, die Dinge, die Prüfinstanzen später zu kontrollieren gedenken. Prozesse, in denen unser Tun auf den Dienstleistungsaspekt reduziert wird, laufen Gefahr, Beziehungslosigkeit hervorzurufen: zu den Kundinnen und Kunden, zum gemeinsamen Arbeitsauftrag, zu den Gepflogenheiten einer Einrichtung und zum eigenen Gewissen.

Sowohl die innere als auch die äußere Begegnung mit den Nächsten werden erschwert. Allerdings ist die Lust auf Begegnung bei der Berufswahl oft maßgeblicher Antrieb gewesen. Und die Fähigkeit zur Begegnung im Helfen stellt eine grundlegende sozialberufliche Kompetenz dar.

Was ist zu tun, wenn dieser Satz im Raum steht? Das alte, geflügelte Wort in Bethel: „Und was macht das mit dir?“, hilft uns, ethische Konflikte überhaupt erst einmal benennen zu können. Wir lernen, aufeinander und auf uns selbst zu hören. Wir fragen unsere Kollegin oder unseren Kollegen nicht nur nach einer fachlich-sachlichen Einschätzung, sondern auch nach der Resonanz in ihrem oder seinem Leben. Ich wünsche uns aufrichtiges Interesse daran, auch jenseits ethischer Fallgespräche und Supervisionen. 

„Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ Dieser Satz ergänzt unsere Standards, Vorschriften und fachlichen Paradigmen sinnvoll. Ethische Konfliktlösungskompetenz entsteht da, wo wir uns neben dem Austausch über sachlich-fachliche Fragen Zeit und Raum nehmen, um Arbeitsprozesse auch aus der Beziehung heraus zu beleuchten.

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