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Vielfalt

Auf dem Weg … den eigenen Glauben zu prüfen

Auf dem Weg ...

Autorin: Anke Flaßpöhler

Aus: Kulturelle und religiöse Vielfalt - bethel»wissen No. 02

Ich hatte es mir abgewöhnt, bei meinen Bewerbungen im Lebenslauf zu erwähnen, dass ich seit längerem keiner Glaubensgemeinschaft mehr angehöre. Einige Vorstellungsgespräche bei kirchlichen Trägern hatten bei diesem Punkt abrupt geendet ... oder ich wurde kurzum abbestellt.

Als ich bei meinem letzten Vorstellungsgespräch in Bethel den gesprächsführenden Personen (Personal- und Bildungs- sowie Einrichtungsleitung) gegenüber saß, war meine Anspannung zunächst bestimmt sehr spürbar. Ich erinnere mich sehr gern und gut an den Verlauf dieses ersten Gesprächskontaktes mit Bethel-Mitarbeitenden, die mich mit besonderer Aufmerksamkeit und Wertschätzung befragten, selbstverständlich auch zu meiner Glaubensauffassung. Meine neue Erfahrung: Meine persönliche Situation und Einstellung in der Glaubensfrage wurden in einer ruhigen Gesprächsatmosphäre ausführlich gehört und respektiert.

Wie sieht mein persönlicher Glaubensweg aus?

Nach einer schwachen Glaubensprägung in einem katholischen Elternhaus -ausschließlich durch die im Haus lebende Großmutter geformt -folgte für mich schließlich nach vielen Jahren der Zerrissenheit die Konsequenz, die Glaubensgemeinschaft zu verlassen. Aus einer anfänglichen Gleichgültigkeit wuchs die Überzeugung, dass es einen anderen Weg zu beschreiten gäbe.

In den Folgejahren habe ich mich in verschiedenen Bereichen einer sehr offenen evangelischen Kirchengemeinde informiert und eingebracht. Ich denke bis heute an den intensiven Gesprächsaustausch mit vielen ganz unterschiedlichen Glaubenskulturen der Flüchtlingswelle Anfang der neunziger Jahre zurück, als ich mich besonders für Familien mit kleinen Kindern einsetzte. Bei einer muslimischen Hochzeit habe ich eindrucksvoll erfahren dürfen, wie hier Glaubensrituale gelebt werden. Einen Einblick in die Gemeinschaft der Mennonitengemeinden habe ich durch interessante Gespräche und Einladungen von Gemeindemitgliedern, die meine Nachbarn sind, erhalten. Und auch mit einer sehr lebendigen frei-evangelischen Kirchengemeinde, die ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl transportiert, stehe ich im Kontakt. Dies alles sind eindrucksstarke elementare Erfahrungen meiner Selbstfindung. 

Im Berufsleben ist es hingegen so eine Sache: viele Jahre scheinbar völlig in den Hintergrund abgetaucht, steht die Glaubensfrage als Mitarbeiterin einer diakonischen Einrichtung wieder im Fokus. Im direkten Kontakt zu den uns anvertrauten Menschen in ihrer letzten Lebensphase entwickeln sich in einer sehr lebendigen und offenen Atmosphäre regelmäßig und unausweichlich Anlässe oder Gesprächssituationen zum Glauben, die mich beschäftigen. „Warum haben Sie das Vaterunser nicht mitgebetet?“, werde ich dann schon mal nach unserer wöchentlich stattfindenden Andacht unumwunden von einer aufmerksamen Bewohnerin oder einem Bewohner gefragt. Ich nehme sehr gern die geistlichen Impulse bei unseren sowohl katholisch als auch evangelisch geleiteten Andachten auf und erlebe dabei ein besonderes Miteinander, das Energie freisetzt und Kraft gibt. Dabei wird mir auch immer wieder bewusst, dass ich mich so selbst auffordere – und aufgefordert werde – meine Glaubensvorstellungen zu überprüfen. Ich erlebe bei jeder Teilnahme an Fortbildungen oder Gesprächsangeboten in Bethel die diakonische Kultur und die spürbare Gemeinschaft.

Es kann sein, dass ich noch eine ganze Weile auf dem Weg bin – ganz bewusst. Dies ist meine persönliche Herausforderung. Unsere Gesellschaft, sicher auch in besonderer Weise Arbeitgeber, müssen sich der Herausforderung stellen, immer mehr ganz unterschiedliche Glaubensauffassungen von Menschen zu respektieren und die darin liegenden Chancen als besondere Ressource und Bereicherung anzusehen.

 

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