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Vielfalt

Kulturelle Vielfalt – regional betrachtet!

Regional

Interview mit: Heike Mietzner (Wischhafen), Elizabeth Schmidt-Pabst (Berlin), Gudrun Nikolay (Dortmund)

Aus: Kulturelle und religiöse Vielfalt - bethel»wissen No. 02

„Ein Fisch spürt erst dann, dass er Wasser zum Leben braucht, wenn er nicht mehr darin schwimmt. Unsere Kultur ist für uns wie das Wasser für den Fisch. Wir leben und atmen durch sie.” (Alfons Trompenaars)

Die jeweilige Kultur, in der wir leben, prägt unser Wahrnehmen, Denken und Handeln. Unsere kulturelle Programmierung ist jedoch nicht nur durch das Land, in dem wir leben, bestimmt, sondern auch durch die regionale Kultur vor Ort. Um einen Ausschnitt der regionalen kulturellen Vielfalt darzustellen, haben wir Mitarbeitende der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel aus unterschiedlichen regionalen Kontexten gefragt, wie sich eigentlich die regionale/lokale Kultur auf ihr jeweiliges Arbeitsfeld auswirkt.

Unsere Gesprächspartnerinnen waren Einrichtungsleiterin Heike Mietzner aus dem Wohnheim Schloss Holenwisch in Wischhafen im Landkreis Stade, Koordinatorin Elizabeth Schmidt-Pabst aus dem ambulanten Lazarus Hospizdienst in Berlin und Bereichsleiterin Gudrun Nikolay aus dem Haus Von-der-Tann-Straße in Dortmund. Wir bedanken uns bei unseren Gesprächspartnerinnen, die uns die regionalen Besonderheiten der Betheler Einrichtungen in Wischhafen im Landkreis Stade, Berlin und Dortmund durch ihre Antworten näher gebracht haben!

Welche Frage ergibt sich aus der regionalen Kultur in einem Bewerbungsgespräch? Was wird auf jeden Fall aufgrund der lokalen Kultur ein Thema sein?

WISCHHAFEN – LANDKREIS STADE: Wichtig ist für uns, dass die Mitarbeitenden auch dazu bereit sind, längere Fahrtwege auf sich zu nehmen, da wir hier im Norden, in einer ländlichen Region, z.T. auch weite Strecken überwinden müssen. Hinzu kommt, dass wir uns in einem eher dünn besiedelten Gebiet befinden und daher auch die öffentlichen Verkehrsanbindungen nur sehr eingeschränkt vorhanden sind. Für Mitarbeitende aus der Region um Hamburg ist daher ein eigenes Fahrzeug enorm wichtig. Gleichzeitig sind wir hier direkt an der Elbe, schnuppern frische Nordseeluft (Landschaft: 4/5 Himmel – 1/5 Erde) und so bringen viele der Menschen eine regionale „Erdverbundenheit“ mit, sodass die Klientinnen und Klienten in unseren Häusern auch sehr gern im Garten aktiv sind.

BERLIN: Berlin ist eine sehr große Stadt mit kultureller Vielfalt. Menschen aus allenLändern wohnen und arbeiten hier. Da wir ein ambulanter Hospizdienst sind, ergibt sich für uns im Gespräch mit Personen, die z.B. ein Ehrenamt übernehmen wollen, die Frage: „Würden Sie innerhalb Berlins überall hinfahren?“ Dies könnte bedeuten, dass die erforderliche Fahrzeit für eine Wegstrecke neunzig Minuten beträgt! Ferner ist es für uns wichtig, zu erfragen, ob Fremdsprachenkenntnisse  vorhanden sind, da viele Menschen mit Migrationshintergrund in Berlin leben.

DORTMUND: Jeder ist willkommen, der neugierig und offen im Interesse der Bewohner und Bewohnerinnen den Stadtteil erkundet und für sie „erobert“, der Kontakte knüpft, Events oder Straßenfeste mitorganisiert, Netzwerke aufbaut und neue Treffpunkte findet. Was mir bei einem Bewerbungsgespräch am wichtigsten ist, sind Freundlichkeit und Humor, als Motor für die beziehungsreiche Arbeit mit Menschen, die eine geistige Behinderung haben. Zu „penibel“ und empfindsam darf ein neues Teammitglied nicht sein. In unserer Einrichtung wird täglich, wie man im Ruhrgebiet sagt, „Tacheles“ gesprochen. 

Welche regionale Willkommenskultur gibt es in Ihrem Haus/Ihrer Einrichtung/Ihrem ambulanten Dienst für neue Mitarbeitende und Bewohner und Bewohnerinnen/Klienten und Klientinnen/Gäste? Was ist in Ihrer Region „typisch“ zur Begrüßung?

WISCHHAFEN – LANDKREIS STADE: Natürlich bieten wir hier im Norden den Menschen zur Begrüßung nicht nur Kaffee an, sondern auch Tee. Wir sorgen für eine freundliche und offene Atmosphäre und zeigen neuen Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern intensiv das Haus und die direkte Umgebung. Darüber hinaus ist uns sehr wichtig, dass wir erfragen, welche individuellen Interessen die neuen Mitarbeitenden und Bewohnerinnen oderBewohner haben und sind bemüht herausfinden, was ihnen wichtig ist.

BERLIN: Wir sagen unseren vollen Namen, geben unsere Hand und nennen auch unsere Berufsbezeichnung und woher wir kommen. Außerdem wird, je nachdem, wer kommt, das ganze Haus und Gelände gezeigt. Alle, die uns im Haus oder auf dem Gelände begegnen, werden freundlich gegrüßt. Frische Blumen sollen helfen eine freundliche, offene und schöne Atmosphäre herzustellen, sodass sich unser Besuch, aber auch wir Mitarbeitende wohl fühlen können.

DORTMUND: Typisch ist bei uns, dass nichts typisch ist. Guten Tag, Hallo, Hi, Hallöchen oder Tach auch  ist für eine Begrüßung genauso üblich wie Moin, Good Morning oder einfach nur ein Händedruck ganz ohne Worte. Ein freundliches Lächeln ist aber (fast) immer dabei. Jeder ist willkommen und das soll spürbar sein. Wer erst einmal die Haustür passiert hat, wird gleich in ein nettes Gespräch verwickelt und das Anbieten von Kaffee, Getränken und Speisen ist obligatorisch. Gastfreundschaft zeichnet unsere Einrichtung aus und unsere „Offene Tür“ hat uns bereits vielfältige Teilhabemöglichkeiten geschaffen und uns Wege in die Gemeinde und den Stadtteil eröffnet.

Wie prägt die kulturelle regionale Mentalität der Menschen/der Mitarbeitenden den Arbeitsprozess?

WISCHHAFEN – LANDKREIS STADE: Die Menschen im Norden zeigen sich meistens als sehr klar und absolut zuverlässig. Sie sind vielleicht nicht sehr wortreich, aber bringen oft den typisch trockenen, norddeutschen Humor mit und einen regionalen „Slang“, der schon leicht ins Hamburgerische geht. Die Mitarbeitenden haben einen sehr kollegialen Umgangsstil und leben die Devise: „Wir packen es an“. Besonders in Zeiten hoher Arbeitsbelastung kann man darauf vertrauen, dass die Kolleginnen und Kollegen eng zusammenstehen und die anstehenden Aufgaben gemeinsam bewältigen.

BERLIN: Wenn man sich als Nicht-Berliner an den etwas raueren Berliner Umgangston gewöhnt hat, weiß man schnell, dass sich hinter dieser Fassade oft ein hilfsbereiter und freundlicher Mensch verbirgt. Fazit daraus: In Berlin muss man zweimal hinhören. Im Haus haben wir einen freundlichen, respektvollen Umgang miteinander. Bei hohen Arbeitsbelastungen sind wir bemüht, einander zu unterstützen und alle haben ein sehr großes Pflichtbewusstsein den Kollegen und Kolleginnen gegenüber.

DORTMUND: Das Ruhrgebiet befindet sich seit Jahrzehnten in einem unglaublichen Strukturwandel. Die Wurzeln liegen im Bergbau und in der Stahlindustrie. Das ist auch heute noch spürbar. Kulturelle Vielfalt ist durch den Zuzug von vielen Menschen unterschiedlichster Herkunft entstanden und entwickelt sich auch heute noch stetig weiter. Wenn man im Ruhrgebiet leben und arbeiten möchte, dann muss man sich mit der direkten Art der „Ruhris“ auseinandersetzen. Direkt, manchmal zu direkt, wird gesprochen. Die kulturelle Ruhrgebietsmentalität schlägt sich natürlich auch in unserer Arbeit nieder. Hier werden keine „Fisimatenten“ (frei übersetzt: leere Ausflüchte) gemacht. Anpacken ist angesagt: „Komma inne Puschen“ heißt so viel wie: „Genug geredet“. Hinter knallharten und offenen Worten verbirgt sich aber immer Herzlichkeit und Humor. Beides hilft so manche schwierige Situation zu meistern.

Woran lässt sich erkennen, dass man in einer Einrichtung/einem ambulanten Dienst Bethels ist, die/der sich in Stade/Berlin/Dortmund befindet?

WISCHHAFEN – LANDKREIS STADE: Eine Bethel-Fahne hängt noch nicht vor unserer Einrichtung. Unsere Zugehörigkeit zu den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel wird eher in unserer Haltung gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern deutlich und spürbar. Eine freundliche, wertschätzende Ebene und eine Ansprache auf Augenhöhe sind für uns entscheidende Faktoren im Umgang miteinander. Die Vision „Gemeinschaft verwirklichen“ praktizieren wir in unseren Einrichtungen an vielen Stellen, obwohl zwischen unseren Angeboten und Einrichtungen im Norden große räumliche Distanzen liegen. Wir gestalten z.B. gemeinsame Fortbildungen, Weihnachtsfeiern oder Betriebsausflüge. Und natürlich stehen bei uns die Bewohnerinnen und Bewohner an erster Stelle. Diese Haltung in unserer täglichen Arbeit zu verdeutlichen, ist uns sehr wichtig.

BERLIN: Schon bevor man ins Haus hinein kommt, kann jeder das Bethel-Logo über der Eingangstür sehen. Und geht der Blick ein wenig nach rechts, wird der ehemalige, jetzt begrünte Mauerstreifen sichtbar - den gibt es nur in Berlin! Berlin ist eine sehr informelle Stadt. Lässige oder individuelle Arbeitsbekleidung auch im Verwaltungsbereich ist relativ häufig, doch jeder Mitarbeitende trägt ein Namensschild mit dem Bethel-Logo. Es gibt sichtbare Symbole verschiedener Kulturen und Religionen. Zum Beispiel hängt in einem unserer Büros ein türkischer Schutz gegen den bösen Blick. Es gibtBilder von Engeln und christliche Symbole, oder auch Fotos von Kopten, Juden und Muslimen aus dem Jemen, Kairo und dem Irak, die zurzeit in unserem stationären Hospiz hängen.

DORTMUND: Besucher oder Besucherinnen des Hauses Von-der-Tann-Straße kommen zur Tür herein und spüren die Atmosphäre des Hauses. Sie wird uns als herzlich und offen beschrieben. Die liebevolle Betreuung, das Respektieren aller Eigenarten spiegelt sich im selbstbestimmten und fröhlichen Auftreten der Bewohner und Bewohnerinnen wider. Besuchende beschreiben einen „guten Geist“ für das Leben und Arbeiten in der Einrichtung. „So etwas gibt es nur bei Bethel“ wurde uns schon oft gesagt. Ein Zeichen dafür, dass mit Herz und Verstand diakonisch gelebt und gehandelt wird. Viele Menschen wussten zuvor nur von „Bethel in Bielefeld“. Als Einrichtung von Bethel in Dortmund tragen wir seit mehr als zehn Jahren durch unsere Präsenz und unsere inklusive Arbeit im Stadtteil dazu bei, dass sich immer weniger Menschen über „Bethel in Dortmund“ wundern.

Welche regionale Köstlichkeit darf auf dem Speiseplan/dem Mittagstisch der Bewohner und Bewohnerinnen/Klienten und Klientinnen/Gäste nicht fehlen?

WISCHHAFEN – LANDKREIS STADE: „Spargel und Grünkohl sind z. B. regionale Köstlichkeiten, die bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern sehr beliebt sind. Wir nutzen die ländliche Gegend, um Produkte und Lebensmittel aus der Region auch in den Speisplan aufzunehmen und das kommt bei den Menschen, die wir unterstützen, gut an!

BERLIN: In unserem Pflegeheim gibt es natürlich öfter Sauerkraut, Würstchen und Kartoffelsalat. Jedoch auch täglich ein vegetarisches Angebot, wie z.B. Hefeklöße mit Vanillesoße. Gern wird auch Kuchen oder Torte zur Kaffeezeit genossen. Selbstverständlich darf zum Abendbrot die „Stulle mit wat druff“ nicht fehlen. Wer es nicht weiß: das ist eine Scheibe Brot mit Belag.

DORTMUND: Im Ruhrgebiet hält, wie auch anderswo, das  Essen „Leib und Seele“ zusammen. Unsere Wirtschafterin kennt die Vorlieben der Bewohner und Bewohnerinnen ganz genau. Frikadellen und Schnitzel, die geliebte Bratwurst, gerne auch als Curry-Wurst, darf genauso wenig fehlen, wie das Reibeplätzchen mit Apfelkompott und alle anderen Varianten der Kartoffel. Und eines gilt immer: das „Bütterken“ mit Wurst oder Käse am Abend ist ein „Muss“.

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