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Technik

„Welche Bedeutung haben technische Assistenzsysteme für Sie?"

Assistenzsysteme

Interview: Katrin Krohne-Klaus

Aus: bethel»wissen No. 03 - Neue Technik

Ursula Bredemann und Karl-Hermann Katthage leben jeweils in einem eigenen Appartement, direkt angrenzend an das Seniorenzentrum Dissen des Stiftungsbereichs Altenhilfe. Beide sind an technischer Entwicklung sehr interessiert ... und beteiligen sich im Rahmen des Projektes KOMPASS in einer Fokusgruppe, die Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Universität Bielefeld und der Universität Duisburg-Essen eine Rückmeldung zum Avatar Billie[1] gibt. Ihr großes Interesse an technischer Entwicklung haben wir zum Anlass genommen, Frau Bredemann und Herrn Katthage einmal direkt nach ihrer persönlichen Einschätzung zu befragen:

Welche technischen Assistenzsysteme und Geräte nutzen Sie selbst in Ihrem Alltag?

Bredemann: Ich habe ein Handy und einen PC, gehe ins Internet und maile oder skype gern mit meiner Familie. Ich nutze auch meinen Fernseher und meinen Videorekorder oder sehe mir Fotos auf meinem digitalen Bilderrahmen an. Für neue Technik war ich schon immer zu begeistern. Wenn ich heute noch einmal meinen Beruf wählen könnte, würde ich mich für einen Beruf entscheiden, in dem der Einsatz von Technik eine große Rolle spielt. Aber das gab es damals für Frauen noch nicht.

Katthage: Außer einem Fernseher und einem Telefon nutze ich keine technischen Assistenzsysteme. Ein Handy habe ich auch nicht, aber ich bin sehr interessiert an der Entwicklung neuer technischer Möglichkeiten. Ich finde es wichtig, dass man das Interesse an technischem Fortschritt nicht verliert, aber ich frage mich schon, ob der Einsatz von Technik tatsächlich zu einer Erleichterung führt. Solange ich körperlich und geistig noch fit bin, brauche ich spezielle technische Assistenzfunktionen nicht. Aber das kann sich natürlich schnell ändern, wenn sich mein Gesundheitszustand verschlechtern sollte oder sich bei mir ein größeres Sicherheitsbedürfnis entwickelt.

Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich durch die stärkere Nutzung von Technik für Sie persönlich?

Bredemann: Ich kann zum Beispiel mit meiner Familie im Ausland skypen. Als meine Kinder in Australien waren, haben wir diese Möglichkeit der Kontaktaufnahme rege genutzt. Auf diese Weise konnten wir trotz der großen Entfernung einen intensiven Kontakt halten.

Für welche weiteren Lebensbereiche können Sie sich Unterstützung durch Technik vorstellen?

Katthage: Ich habe im Fernsehen gesehen, dass heute Einrichtungen gebaut werden, in denen Sensoren im Fußboden eingelassen sind, um auch außerhalb der Bewohnerzimmer erkennen zu können, ob jemand gestürzt ist. Diese technische Sicherheitsfunktion finde ich gut. Oder auch ein Notrufsystem, das mit einem unterstützenden Dienst verbunden ist, würde ich nutzen, wenn ich auf Hilfe angewiesen wäre.

Wie müssen assistive Technologien optisch und funktional gestaltet sein, damit Sie sie gerne in Ihrem häuslichen Umfeld nutzen?

Bredemann: Ich finde es zum Beispiel sehr ansprechend, dass der Avatar Billie optisch einem Menschen nachempfunden ist.

Katthage: Ich finde das nicht ansprechend. Menschliche Eigenarten oder auch das menschliche Erscheinungsbild sollte man nicht auf ein technisches Hilfsmittel übertragen. Ich hätte lieber eine schwarze Box auf dem Tisch und würde einfach eine Stimme hören wollen. Das würde mir vollkommen reichen. Wenn man mit jemandem sprechen will, kann man sich ja einen Hund anschaffen.

Empfinden Sie durch den Einsatz von Assistenzsystemen ein größeres Sicherheitsgefühl? Oder empfinden Sie Kontrolle?

Katthage: Für mich steht die Sicherheit im Vordergrund. Der Einsatz von Sensoren würde mich eher beruhigen. Auch Kameras könnte ich mir vorstellen, damit nicht permanent eine Person bei mir sein müsste, wenn ich z.B. bettlägerig wäre.

Aufgrund der engen Verknüpfung zwischen dem Seniorenzentrum Dissen und Ihren angrenzenden Appartements können Sie bei Interesse eine sogenannte Vitalitätsüberprüfung nutzen. Das bedeutet, dass sich das Personal aus der Einrichtung bei Ihnen meldet, wenn Sie innerhalb von 24 Stunden weniger als 10 Liter Wasser benutzen, um zu erfragen, ob alles in Ordnung ist. Nutzen Sie dieses Angebot?

Bredemann: Ja, ich finde das wichtig und nehme die Vitalitätsüberprüfung in Anspruch. Ich war einmal verreist und hatte dies auch bekannt gegeben. Da die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen meinen Hinweis übersehen hatten, hörte ich hinterher, dass eine Mitarbeiterin bei mir war, um sich nach meinem Wohlergehen zu erkundigen. Ich empfinde das als ein beruhigendes Gefühl, dass ich weiß, dass dieses Sicherheitssystem funktioniert.

Welche weiteren Funktionen sollten technische Hilfsmittel ausführen können, damit Sie möglichst lange selbständig leben können?

Katthage: Ich würde gerne technische Hilfemittel zur Körperertüchtigung nutzen, damit ich im Alter weiterhin fit bleibe und mich selbständig bewegen kann.

Bredemann: Ich fände es wichtig, dass der Avatar Billie in der Lage wäre, einen Arzt oder natürlich auch Freunde oder Familienmitglieder anzurufen und einen Kontakt herzustellen. Oder dass ich mit Hilfe von Billie die Möglichkeit hätte, online eine Einkaufsbestellung aufzugeben, sodass mir jemand die Einkäufe nach Hause bringt. Gut fände ich es auch, wenn Billie Termine speichern könnte und somit eine Art Tagebuchfunktion hätte.

Haben Sie weiter Anforderungswünsche hinsichtlich technischer Entwicklung?

Bredemann: Die Bedienung von Technik muss ganz einfach sein, ansonsten nutzt sie nichts. Außerdem ist es gerade für ältere Menschen wichtig, dass z.B. der Avatar Billie laut und deutlich spricht. Und ich würde ihn gern mit Sprache aktivieren bzw. starten können. Und vor allen Dingen will ich die Kontrolle über den Avatar behalten und entscheiden, wann ich ihn abschalte.

Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch!

_____

[1] Der Avatar Billie ist ein virtueller Assistent, der auf dem Bildschirm erscheint und z.B. dabei hilft, den Tag zu planen. Näheres zum Projekt KOMPASS s. » Artikel von Prof. Stefan Kopp und Sonja Friedhof.

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