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Technik

DaVinci-Roboter – Operationen der nächsten Generation

DaVinci-Roboter

Autor: Manuel Bünemann

Aus: bethel»wissen No. 03 - Neue Technik

Die Klinik für Urologie im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld (EvKB) setzt seit dem Frühjahr 2016 die neuste Generation des DaVinci-Roboters ein. Das Besondere: Die Operateure übertragen ihre Handbewegungen ... während der Operation hochpräzise auf Roboterarme, die gelenkiger und feinmotorischer sind als die menschlichen. Im Operationssaal im Johannesstift sind dadurch sehr schonende Operationen möglich, die sonst für die Patientinnen und Patienten mit stärkeren Beeinträchtigungen verbunden wären.

Es war im April 2010, als in Ostwestfalen-Lippe (OWL) eine neue Ära der minimalinvasiven Operationstechnik begann. Damals schaffte das EvKB das bis heute einzige DaVinci-System in OWL an, einen Roboterassistenten, mit dem sich hochpräzise Eingriffe auch an kleinen abgegrenzten Gebieten im Körper per „Schlüssellochtechnik“ durchführen lassen, wie die minimalinvasive Chirurgie bzw. Laparoskopie im Volksmund genannt wird. Diese erspart den Patientinnen und Patienten größere Schnitte, bringt weniger Blutverlust mit sich, ermöglicht eine schnellere Genesung und ein besseres kosmetisches Ergebnis. Damit ist die minimalinvasive Chirurgie (MIC) eine der größten medizinischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte. Sie wird sogar nach Einführung von Asepsis und Anästhesie als die dritte patientenfreundliche Revolution in der Chirurgie bezeichnet[1].

Bei DaVinci handelt es sich um eine fortgeschrittene Entwicklung dieser Operationstechnik, die weitere Vorteile mit sich bringt. „Der Operateur steuert wenige Meter vom Patienten entfernt gelenkige Arme, die ihm durch die kleinen Eröffnungen dreidimensionale Bilder aus dem Innern des Körpers liefern“, beschreibt Prof. Dr. Jesco Pfitzenmaier, Chefarzt der Klinik für Urologie des EvKB, das High-Tech-System. Mit den Armen des Roboterassistenten gelangt er dabei an sonst nur schwer erreichbare Regionen im Körper. „Hier operieren wir mit außergewöhnlicher Feinheit und Beweglichkeit, können Gewebe und auch feinste Nervenbündel schonen. Das ist insbesondere bei der Operation des Prostatakrebses immens wichtig. Hier können wir betroffene Körperfunktionen wie die Kontinenz oder die Potenz viel häufiger erhalten und verursachen noch dazu weniger Schmerzen.“ Auch den Blutverlust halte diese Variante des Eingriffs noch geringer als übliche minimalinvasive Eingriffe.

Generationenwechsel

Obwohl noch keine sechs Jahre alt, wurde im EvKB bereits im Frühjahr dieses Jahres der Generationenwechsel in Sachen DaVinci vollzogen. In einem speziellen Operationssaal des Krankenhauses im Johannesstift ist nun die neueste Version dieses Systems im Einsatz. „Mit der Weiterentwicklung des DaVinci – dem DaVinci Xi – sind einige Vorteile für die Patienten verbunden“, erklärt Dr. Jürgen Doderer, leitender Oberarzt der Klinik für Urologie. „Das System wurde derart weiterentwickelt, dass seine Arme jetzt noch mehr Bewegungsfreiheit mit sich bringen.“ Durch einen hinzugekommenen Freiheitsgrad in der Bewegung seien jetzt Organe in schwierigen Regionen noch besser zu erreichen. Das sei möglich, da mit DaVinci Xi nun Operationen an einem seitlich liegenden Patienten noch besser durchgeführt werden können. Dabei hilft ein hochmoderner neuer Operationstisch, dessen Position auch während eines Eingriffs verändert werden kann. Durch neue Kippstellungen kann sich der Operateur die Schwerkraft zunutze machen, sodass er an einzelnen Organen im Bauchraum oder im Unterleib besser vorbeisteuern kann. Mussten früher die Arme des Roboterassistenten für einen Positionswechsel entfernt und später erneut eingebracht werden, sind seine Bewegungen jetzt mit denen des OP-Tischs vernetzt. „Dieses komplexe Ensemble aus Roboterassistent und dem OP-Tisch ermöglicht auch größere Tumoroperationen mit DaVinci“, so Dr. Doderer, „denn hiermit erreichen wir die Lymphknoten besser als mit dem Vorgänger.“ Mit dieser Rund-um-Ausstattung ist das EvKB das einzige Krankenhaus in Deutschland.

Die dreidimensionale Bildübertragung erfolgt hochauflösend und von jedem Roboterarm, sodass dem Operateur noch detailliertere Einblicke und damit präzisere Eingriffe möglich sind. „Hier kommt es häufig auf Zehntelmillimeter an“, verrät Chefarzt Prof. Pfitzenmaier. Außerdem sei das neue DaVinci-System damit auch deutlich schneller betriebsbereit als sein Vorgänger und verkürze auch die Dauer der Operationen, was er in zweifacher Hinsicht begrüßt: „Auf der einen Seite wird der Patient durch die kürzere Operationszeit geschont, auf der anderen Seite können so im EvKB zukünftig mehr Patienten mit DaVinci-Technik operiert werden und von ihren Vorzügen profitieren als bisher.“

Den Begriff Roboter relativiert der Facharzt für Urologie, der auf spezielle urologische Chirurgie, medikamentöse Tumortherapie sowie Andrologie, also auf Störungen der Zeugungsfähigkeit spezialisiert ist: „Sorgen von Patienten, sie würden von einem Roboter operiert und nicht von einem Menschen, sind zum Glück völlig unbegründet. Der DaVinci bewegt sich nur, wenn der Operateur seine Finger bewegt und macht wirklich nichts von allein!“

Ein Assistent mit Qualitäten

In der Urologie kommt der DaVinci-Roboterassistent bei Entfernungen der Prostata zum Einsatz, bei Operationen an Niere (Entfernung oder Teilentfernung) und Nierenbecken, bei Entfernungen des Harnleiters bei Harnleitertumoren, von Lymphknoten im kleinen Becken und bei weiblichen Kontinenz-Operationen wie zum Beispiel bestimmten Formen der Blasensenkung. Doch nicht für jede Patientin bzw. jeden Patienten bietet die neue Technik die beste Methode. „Wenn ein Patient zusätzlich eine Erkrankung hat, die bei ihm die schräge Lagerung unmöglich macht, greifen wir auf die konventionelle minimalinvasive Chirurgie zurück“, so Dr. Doderer. Seit 2010 gab es im EvKB mehr als 500 roboterassistierte Operationen. Seit neuestem wird das System neben der Urologie auch für Operationen in der Gynäkologie und der Bauchchirurgie Schritt für Schritt eingesetzt.

Die meisten urologischen Operationen stehen bereits jetzt im Zusammenhang mit Erkrankungen der Prostata, sowohl gutartigen wie bösartigen. Etwa 65 Prozent aller Prostatakrebsoperationen werden im EvKB mittlerweile roboterassistiert vorgenommen. Zunehmende Bedeutung erlangt das neue DaVinci-System auch durch die gerade erhaltene Zertifizierung der Klinik für Urologie als Prostatakrebszentrum durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Nur zwei weitere Kliniken in OWL haben dieses hohe Ziel erreicht. Der Prostatakrebs, medizinisch Prostatakarzinom genannt, ist der häufigste bösartige Tumor des Manns. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen hat sich in Deutschland von 40.000 im Jahr 1998 auf etwa 63.000 im Jahr 2012 erhöht[2]. „Wir bewegen uns derzeit auf etwa 70.000 zu, so dass insgesamt etwa jeder achte Mann im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs erkrankt. Das Risiko hierfür steigt insbesondere ab dem 50. Lebensjahr steil an“, weiß Dr. Doderer. Mit mehr als 120 urologischen Operationen pro Jahr rechnet Prof. Pfitzenmaier zukünftig, Tendenz steigend.

„Wir sind mit dieser Technik ganz weit vorne. Als einziges Krankenhaus in Ostwestfalen-Lippe nutzen wir den DaVinci und als eines von nur 14 Krankenhäusern in ganz Deutschland den DaVinci Xi“, sagt EvKB-Geschäftsführer Dr. Rainer Norden. „Und wir sind uns sicher, dass unsere Patienten davon profitieren.“

_____

[1] Deutsches Ärzteblatt vom 12. Mai 2006; A 1274

[2] Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert-Koch-Instituts, www.krebsdaten.de, Abruf am 31.05.2016

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