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Vielfalt

Kulturelle und religiöse Vielfalt

Vielfalt

... in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel

Autorin: Jutta Beldermann

Aus: Kulturelle und religiöse Vielfalt - bethel»wissen No. 02

Menschen, die in Bethel Unterstützung, Hilfe, Pflege und Begleitung annehmen, sind herzlich willkommen, unabhängig davon, welche Hautfarbe sie haben oder in welcher Kultur sie aufgewachsen sind, welche Nationalität sie haben oder zu welcher Religion sie gehören...

Dass das so ist, hat viele Gründe. Der wichtigste Grund ist der, dass Bethel einen Auftrag hat, den Auftrag der christlichen Kirche: in dem Menschen, der Hilfe braucht, den Nächsten zu sehen und ihn zu lieben, wie sich selbst (Lukas 10, 27). Dieser Auftrag heißt: Diakonie.

Die Vielfalt der Menschen, die in Bethel – und sei es auch nur zeitweise – leben, ist groß und sie wird größer werden, weil unsere Gesellschaft vielfältiger und bunter wird. Das Zusammenleben so vielfältiger Menschen aber muss gelernt und geübt werden. Das gilt für den Umgang mit den Gewohnheiten einer anderen Kultur ebenso wie für den Umgang mit den Traditionen der verschiedenen Religionen.

Der Vorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel hat darum ein Positionspapier verabschiedet, in dem er „Klarheit und Orientierung“ bietet und anregen möchte, die „Vielfalt wahrzunehmen und darüber ins Gespräch zu kommen“. Er möchte, für „künftige Aufgaben sensibilisieren“ und  beschreibt, welche konkreten Schritte er sich dazu vornimmt[1].

Der Vorstand, und mit ihm der Verwaltungsrat, bezieht damit „Position“ – diese beschreibt den „Standort“, an dem sich die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel befinden und von dem aus sie handeln. Auf dieser Grundlage ergeben sich wiederum „Standpunkte“ zu konkreten Themen. Und schließlich leiten sich daraus konkrete Schritte für Mitarbeitende und Führungskräfte ab.

Standort „Kulturelle Vielfalt“

„Es gilt, Kompetenzen zu entwickeln und zu fördern, damit in unseren Einrichtungen und Diensten Nutzerinnen und Nutzer aus verschiedenen Kulturen eine angemessene, „kultur-sensible“ Behandlung, Versorgung, Unterstützung und Begleitung erhalten.“[2]  Das ist eine wichtige Standortbestimmung, denn sie bedeutet, dass in Bethel die kulturellen Eigenheiten der Menschen ernst genommen werden.

Dazu ist es notwendig, dass Mitarbeitende viel über andere Kulturen lernen und sich dabei ihrer eigenen Kultur bewusst werden, denn oft nehmen Menschen gar nicht wahr, wie „eigen“ sie in ihrer angestammten Kultur sind. Das bedeutet aber auch, dass Teams, die interkulturell zusammengesetzt sind, Unterstützung bekommen und sich nicht scheuen sollten, diese anzunehmen, um die Schätze, die die verschiedenen Menschen mitbringen, auch heben zu können. Oder schlicht, um auftauchende Konflikte angemessen lösen zu können. Vor allem aber bedeutet es, dass Menschen, die in Bethel leben und arbeiten, lernen und üben, offen und wertschätzend miteinander umzugehen. Auch dafür gibt es eine Grundlage im christlichen Glauben, der darauf vertraut, dass der Segen Gottes an Abraham für alle Völker der Erde gilt (1. Mose 12, 1-3).  

Standort „Religiöse Vielfalt“

Viele Menschen, die in Bethel leben und arbeiten, sind verwurzelt im christlichen Glauben. Andere sind Mitglied einer christlichen Kirche, können sich aber mit vielen Elementen des Glaubens und der Kirche nicht identifizieren. Manche glauben nicht an Gott. Andere sind sehr gläubig, aber nicht im Christentum, sondern in einer anderen Religion verwurzelt.

Wer mit Menschen aus anderen Religionen gut zusammen leben und arbeiten möchte, der muss sich auf deren Religionen einstellen, sie kennen und verstehen lernen und sich in Toleranz üben. Vor allem aber bedeutet es, den eigenen Glauben gut zu kennen und sich fest zu verwurzeln, damit ein Gespräch mit dem Glauben des anderen auf Augenhöhe möglich ist.

Das gilt nicht nur für Individuen, das gilt auch für eine Organisation. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sind eine christliche Organisation. Sie sind „Teil der evangelischen Kirche“, so heißt es in der Satzung. Sie sind also nicht frei, sich für eine andere Religion zu entscheiden oder gar multireligiös zu werden. Sie haben einen klaren Standort in der evangelischen Kirche.

Das bedeutet für Nutzerinnen und Nutzer, dass sie das Christliche erkennen können, damit sie wissen, worauf sie sich einlassen, und dass sie es erleben können, wenn sie dies möchten.

Das bedeutet für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass sie Gelegenheiten bekommen, die evangelischen Grundlagen ihres Arbeitgebers kennenzulernen und sich damit auseinander-zusetzen, damit sie wissen, was Menschen, die eine christliche Einrichtung für sich und ihre Angehörigen suchen, erwarten und damit sie erfahren, was die christliche Haltung für sie selbst bedeuten kann, z.B. Seelsorge. Dazu bieten die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel Einführungen und Fortbildungen an, damit die Mitarbeitenden – unabhängig von ihrem persönlichen Glauben – Verantwortung für die Identität Bethels mitübernehmen können.

Standpunkt: Vergewisserung der christlichen Identität

Menschen, die an Gott glauben und/oder sich damit auseinandersetzen, brauchen dafür Räume.

Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel schaffen Orte und Zeiten, an und zu denen das, was geschieht, „so in den Deutungshorizont des christlichen Glaubens“[3] gestellt wird, dass er für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie für Nutzerinnen und Nutzer verstehbar und erlebbar wird. Dies geschieht z.B. in Gottesdiensten und Andachten, bei Festen und Ritualen, die so gestaltet werden sollen, dass sie für alle einladend sind. In Bethel sollen Menschen die Fülle dessen, was evangelische Kirche ausmacht, erleben können: Singen, Beten, Zusammenkommen, Seelsorge, Gespräch, Gemeinschaft und vieles mehr.

Standpunkt: Respekt und Toleranz

„Toleranz“ bedeutet, das Anders-Sein des Anderen respektvoll wahrzunehmen und es auszuhalten, auch wenn es nicht der eigenen Überzeugung entspricht. Das ist nicht immer einfach, aber notwendig, wenn Menschen mit verschiedenen Überzeugungen zusammen leben und arbeiten wollen. Ein Beispiel ist das Tragen religiöser Symbole. Menschen, die ein Kreuz tragen, sollen in Bethel genauso wenig „schräg“ angesehen werden wie Mitarbeiterinnen, die bei ihrer Arbeit in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ein Kopftuch tragen wollen. „Sie können dies in Ausnahmefällen tun, sofern ihre Mitarbeit am diakonischen Auftrag und ihre Loyalität mit dem christlichen Selbstverständnis der vBS gewährleistet ist und nicht spezifische Bedingungen und Standards am Arbeitsplatz dagegen sprechen“[4], so formuliert das Positionspapier. Das bedeutet, dass in den unterschiedlichen Einrichtungen mit großem Respekt darüber gesprochen werden wird, was geht und was nicht geht. Je nach Entscheidung wird dann von allen Beteiligten die Toleranz erwartet, die notwendig ist. Allerdings hat auch in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel Toleranz da ihre Grenze, wo Menschen ihrer persönlichen Würde und Rechte beraubt werden, unabhängig davon, wer das tut. Auch das sagt das Papier deutlich.[5]

Standpunkt: Verantwortung der Mitarbeitenden und Führungskräfte

Das Beispiel des Kopftuches macht deutlich, welch hohe Verantwortung alle Mitarbeitenden und insbesondere die Führungskräfte der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel haben, für eine Haltung, die die christliche Ausrichtung ernst nimmt und stärkt und dennoch respektvoll mit anderen Einstellungen umgeht. Darum wird es bereits im Einstellungsverfahren und in der Einarbeitungszeit Möglichkeiten geben, das christliche Selbstverständnis Bethels kennenzulernen und sich damit auseinanderzusetzen. Auch darüber hinaus gibt es Möglichkeiten und Unterstützung, insbesondere für Führungskräfte.

Standpunkt: Kirchenzugehörigkeit

Wenn die christlichen Grundlagen der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel nicht verloren gehen sollen, dann braucht es Mitarbeitende, die selbst im christlichen Glauben verankert sind und sich gerne an der Gestaltung des christlichen Lebens beteiligen. Darum gibt es in der evangelischen Kirche Gesetze, die festlegen, dass Mitarbeitende in der Diakonie Mitglieder einer Kirche sein sollen, die zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) oder zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) gehören. Die wichtigsten Gesetze und Beschlüsse sind im Anhang des Positionspapieres aufgeführt.[6]

Wenn die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel dennoch Mitarbeitende einstellen, die nicht Mitglied einer christlichen Kirche sind, dann tun sie das in der Überzeugung, dass das Konzept, das in dem Positionspapier formuliert ist, dazu führt, dass auch diese Mitarbeitenden die christliche Grundlhaltung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mittragen können. Darüber wird mit ihnen bei der Einstellung und in den Jahresmitarbeiter-und -mitarbeiteinnengesprächen gesprochen.  

Das Positionspapier „Kulturelle und religiöse Vielfalt in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel“ kann über das Intranet und die Hompage der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel heruntergeladen werden. Es lohnt sich, es genauer zu lesen.

Der Vorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel hat mit diesem Positionspapier einen wichtigen Schritt für Bethel, aber auch für die Diakonie und die evangelische Kirche getan. Er hat einerseits unmissverständlich deutlich gemacht, dass die christliche und evangelische Ausrichtung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel eine Grundlage der Identität Bethels ist, die nicht aufgegeben werden darf. Er hat aber gleichzeitig ein Konzept vorgelegt, wie diese gesichert werden kann, ohne Menschen anderer Überzeugungen als Nutzerinnen und Nutzer und als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuschließen. Im Gegenteil: Es zeigt auf, wie beides zusammengehen kann. Das ist ein hohes Gut.

Das erfordert die Anstrengungen aller und bedeutet noch viel Arbeit. Aber diese wird sich für die einzelnen Menschen lohnen, die eine persönliche Bereicherung erfahren, wie auch für die Gemeinschaft, die daran wachsen wird.

In diesem Prozess die Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufmerksam wahrzunehmen, ist wichtig. Denn möglicherweise hat sich in ein paar Jahren schon wieder so viel verändert, dass der Standort neu beschrieben werden muss. Dann wird es gut sein, auf ihre Erfahrungen aufbauen zu können. Was bleiben wird, ist die Grundlage: Es geht keiner und keine über die Erde, den und die Gott nicht liebt!

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[1] Kulturelle und religiöse Vielfalt in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel – Ein Positionspapier des Vorstands der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, S. 3

[2] oben genanntes Positionspapier, S.13

[3] oben genanntes Positionspapier, S.16

[4] oben genanntes Positionspapier, S.27

[5] oben genanntes Positionspapier, S. 19

[6] oben genanntes Positionspapier, S. 23-36

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