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Ethik

Ethisch reflektiertes Handeln am Lebensende

Theologische Grundlage

Autor: Bernward Wolf

Aus: ETHIK KONKRET - bethel»wissen No. 01

In mehreren Gesprächsrunden eines Runden Tisches, an denen Vertreterinnen und Vertreter aus dem Evangelischen Krankenhaus Bielefeld, dem ... Stiftungsbereich Altenhilfe und dem Hospiz „Haus Zuversicht“ beteiligt waren, sind ethische Fragestellungen im Zusammenhang der Begleitung und Therapie im letzten Lebensabschnitt eines Menschen diskutiert worden.

Ziel war es, gemeinsame ethische Grundsätze, die für die Arbeit der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel verbindlich sind, zu formulieren und Verfahren vorzuschlagen, die Orientierung und möglichst weitgehende Verfahrenssicherheit für konkrete Situationen geben, sowohl innerhalb der Institutionen als auch in den Beziehungen zwischen ihnen.

Als Ergebnis der Gesprächsrunden ist das Arbeitspapier „Begleitung und Therapie im letzten Lebensabschnitt eines Menschen – Eckpunkte für eine Arbeitsfelder übergreifende Position der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel“ entstanden, welches sich in drei Teile gliedert. Im Folgenden werden Ausschnitte des ersten Teils „Voraussetzungen unseres Denkens – unser ethischer ‚Referenzrahmen‘ in den vBS Bethel“ wiedergegeben, die sich schwerpunktmäßig auf die theologische Untermauerung des Papieres beziehen:

Der Mensch ist Geschöpf

Eine Erfahrung, die sicher viele Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtung bzw. Wertorientierung mit vollziehen können, ist: Ich finde mich vor, so wie ich bin. Ich finde mein Leben vor als etwas, das ich mir nicht gegeben habe, an dessen Gestaltung und Entwicklung ich aber beteiligt bin – und natürlich auch meine Umwelt und meine Geschichte. Ich bin also nicht gefragt worden, ob ich leben will. Dass ich lebe, ist vorgegeben, ohne mein Zutun. Dies ist eine menschliche Grunderfahrung.

Der jüdische und der christliche Glaube verbinden mit dieser Grunderfahrung ihren Glauben an Gott als den Schöpfer und Erhalter allen Lebens. Leben insgesamt, damit auch jedes individuelle Leben, wird verstanden als Gottes Gabe. Gott ist es, der Leben schenkt und der über das Ende des Lebens entscheidet, der es schließlich wieder zu sich nimmt.

Dem entspricht das Tötungsverbot der biblischen Botschaft: Die Entscheidung über Leben und Tod, über lebenswert oder -unwert steht uns als Menschen nicht zu, sondern ist allein Gottes Sache, liegt außerhalb der menschlichen Gestaltungsfreiheit, gehört zur Vorfindlichkeit. Ebenso wenig, wie ich mir das Leben geben kann, steht mir zu, ihm ein Ende zu setzen.

Von diesem Verständnis des Lebens und des Sterbens her ergibt sich unser Auftrag: Wir wollen auch den Sterbeprozess als Lebensprozess gestalten und begleiten. Wir wollen den betroffenen Menschen – und seine Angehörigen – so gut wir können unterstützen, Schmerzen lindern, einen würdigen Abschied ermöglichen, also Hilfe im Sterben geben, aber nicht Hilfe zum Sterben (z. B. assistierter Suizid oder aktive Sterbehilfe).

„Sterben ist Teil des Lebens – so individuell und einzigartig wie das Leben eines Menschen, so individuell und einzigartig ist auch sein Sterben.“ (v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel: Zum Umgang mit lebenserhaltenden Maßnahmen bei schwer kranken und sterbenden Menschen, 2007, S. 9)

Was heißt „Selbstbestimmung“?

Dem Menschen wird Freiheit zugetraut und zugemutet. Er trägt auch die Verantwortung für seine Entscheidungen und sein Handeln. Selbstbestimmung ist zunächst einmal gerichtet gegen paternalistische Fremdbestimmung: Kein anderer Mensch soll über mich und mein Leben entscheiden. Selbstbestimmung bedeutet nach christlichem Verständnis nicht: Ich bin mein eigener Maßstab. Es bedeutet aber: Ich selbst trage Verantwortung für mein Leben – auch vor Gott, dessen Gabe mein Leben ist.

Im Blick auf Begleitung und Therapie im letzten Lebensabschnitt eines Menschen ergeben sich für die Frage der Selbstbestimmung besondere Bezüge:

  • Selbstbestimmung und Recht …
  • Selbstbestimmung und das Lebensverständnis in einer werteorientierten Institution …
  • Selbstbestimmung und soziale Bedingungen …
  • Selbstbestimmung und Gewissen der handelnden Personen …
  • Selbstbestimmung und Fürsorge …

Was bedeutet „Sterben“?

Nach christlicher Überzeugung ist das Sterben Teil des Lebens. Es ist ein Übergang. Das ermöglicht Vertrauen und Gelassenheit auch im Loslassen und in Trauer.

Leben verliert durch Sterben und Tod nicht seinen Sinn. Wir glauben daran, dass unser Leben auch nach dem Sterben aufgehoben ist bei Gott. Vorstellen können wir uns das nicht. Wir können nur vorsichtig in Bildern bzw. Ahnungen davon sprechen. In der Bibel finden wir solche Bilder.

In diesem Glauben ist das christliche Vertrauen begründet: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, also wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn.“ (Römer 14). Es gehört zur Erfahrung vieler glaubender Menschen, dass dieses Vertrauen helfen kann gegen die natürliche Angst vor dem Sterben, vor dem Unbekannten.

„Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit …“ (Pred. Sal. 3,2).

Jeder Mensch muss sterben. Nach biblischer Sicht ist der Zeitpunkt des Sterbens „nicht in die Verfügung des Menschen gegeben, sondern Gott hat allen Dingen ihre Zeit bestimmt. Der Mensch steht vor der Aufgabe, zu erkennen und zu wissen, wann was an der Zeit ist … Es gehört zur Aufgabe und verantwortlichen Führung menschlichen Lebens, je und je die Zeit zu erkennen, auf die es sich im eigenen Lebensvollzug einzustellen gilt.“ (Ev. Kirche in Deutschland: Sterben hat seine Zeit. Überlegungen zum Umgang mit Patientenverfügungen aus evangelischer Sicht. Ein Beitrag der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD. 2005. EKD Texte 80. Nicole Frommann: Das Verletzte stärken – Seelsorge für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und für Menschen im Wachkoma, Punkt 4.1)

So gehören Schmerz und Leid, Lebenslust und Glück und ebenso Abschied und Sterben zum Leben, das uns geschenkt, anvertraut und vielleicht auch zugemutet ist; im Blick auf das Sterben gilt damit, es weder zu beschleunigen noch zu verzögern, sondern sich ihm zu stellen und es anzunehmen, so gut es uns möglich ist – als Betroffene, als Angehörige, als Menschen, die alte und sterbende Menschen mit Professionalität und Anteilnahme begleiten. Das Loslassen des Lebens und das Loslassen eines Menschen gehören als letzter Akt zu diesem Leben dazu.

Als Christen tun wir dies in dem Vertrauen, dass auch da, wo wir loslassen müssen, Gott den Menschen in seiner Zuwendung und Liebe hält: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben (…) uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8,38 f.) Wir wollen dazu beitragen, dass Menschen, die wir begleiten, in Frieden mit sich, mit den Menschen, die zu ihnen gehören, und in der Gewissheit der Nähe Gottes sterben können.

Was bedeutet „Tod“?

Der Tod ist der Widerspruch zum Leben. Es gibt den Tod „mitten im Leben“, wenn die Macht des Lebensfeindlichen Leben verhindert, verletzt, zerstört. Tod wird wahrgenommen und erlebt als Sinnlosigkeit, als Beziehungslosigkeit. Tod kann auch bedeuten: Nicht-mehr-Sein, Vergessen-Sein. Insofern wird der Tod erlebt als Bedrohung und Negierung des Lebens.

Der christliche Glaube sieht die Macht des Todes durch Gott besiegt. Auch wenn der Tod als Beziehungslosigkeit, Zerstörung, Verlust von Beziehung erlebt wird, es gibt Neuanfang, Versöhnung, Auferstehung. Der Mensch und sein Leben ist aufgehoben bei Gott, „ob er gleich stürbe“ – auch individuelles Leben geht damit nicht verloren.

„Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium“. (Paulus, 2. Tim. 1,10)

Im weiteren Verlauf des Papiers werden Fragestellungen besprochen, die sich aus diesen grundsätzlichen Erwägungen ergeben:

  • Lebenserhaltung, Lebensverlängerung, Sterbenlassen
  • Umgang mit Verantwortung und Schuld
  • Differenzierung zwischen Sozialethik und Individualethik für einen diakonischen Träger
  • Unterschiedlichkeit der „Referenzrahmen“ in Krankenhaus, Altenhilfe und Hospizarbeit
  • Instrumente für eine Entscheidungsfindung

Ethische Eckpunkte für unser Handeln in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel werden zusammengefasst und » Leitlinien und Verfahrenswege für unser Handeln im Einzelnen dargestellt.

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